Die Geschichte einer unmöglichen
Liebe
Dies ist die Geschichte einer Liebe. Wahrhaftig, romantisch
und düster.
Für den Mann ist es der zweite Frühling. Er lässt sein
kleines Leben hinter sich und macht nun Karriere. In Polen,
1939. Als Herrenmensch im schwarzen Rock der SS. Was für
ein Aufstieg.
Für sie ist es das Ende der Kindheit. Die Eltern, polnische
Patrioten, werden beraubt, deportiert, bedroht. Was für ein
Absturz. Da begegnet sie ihrem Feind. Er ist Deutscher,
zwanzig Jahre älter und wird ihre große Liebe. Kann man
einen Schlächter lieben? Ohne Angst? Sie kann. Die Welt
wird noch vier Jahre brennen. So lange dauert ihre Liebe.
In der fernen Heimat stirbt seine erste Frau. Da wo er
steht, ist nun auch Deutschland. Er hat es zu Säubern, von
Juden und Partisanen. Er tut seine Pflicht. Und er
beantragt die Heiratserlaubnis. Dabei beweist er Courage.
Himmlers zweifaches "nein" akzeptiert er nicht. Für seine
Liebe gefährdet er alles. Ein Spiel mit dem Feuer.
Darf man in der Hölle träumen? Sie lebt ihren Traum von
einer bürgerlichen Existenz, ist den zwei Stiefkindern
Mutter. In Memel beziehen sie Quartier im Schloss.
Zimmerfluchten, Cognac, Wohlstand. Ihren Pelz trug eine
Jüdin. Die braucht ihn nun nicht mehr. Er ist auf dem
Höhepunkt seiner Laufbahn. Nachts brüllen die Gefangenen in
den Kellern. Stalingrad ist schon Geschichte, als sie ihren
gemeinsamen Sohn taufen. Sie ist Zwanzig und muss an eine
Zukunft glauben. Nach einer anthropologischen Untersuchung
setzt er die Eheschließung mit der Polin gegen
rassenhygienische Bedenken durch. Ein einmaliger Vorgang.
Der bizarre SS-Hochzeitsritus besiegelt den Bund.
Reichsführer SS gratuliert. Es ist das Jahr 1944, Herbst
und der Russe steht vor der Tür.
Der Hauptsturmführer handelt streng nach Vorschrift. Doch
es gibt keine Regeln für das Ende und so geht er im Strudel
der Auflösung unter. Von den Kameraden an die Wand
gestellt. Himmlers letzter Gruss, nur Wochen nach der
Hochzeit.
Nun beweist sie Größe und bleibt ihm treu. Mit seiner
blutigen Wäsche beginnt ihre Flucht. Sie ist stark und
bringt seine Kinder bis nach Bayern. Bei Verwandten kommen
sie unter. Sie ist in Sicherheit. Sie hält es hier nicht
aus. Was soll ihr Deutschland ohne ihre Liebe?
Die Polen suchen sie als Kriegsverbrecherin. Sie stellt
sich und wird freigesprochen. Vor dem Gesetz. Doch von nun
an wird sie schweigen. Das Geheimnis ihrer Liebe. Dies ist
nicht Romeo und Julia, dies ist das 20. Jahrhundert.
Ein halbes Leben später, beginnt der Sohn zu fragen. Als er
die ersten Antworten hat, verstummt auch er. Er fürchtet um
sein Leben. Im EU-Land Polen, 2007.
Die deutschen Kinder drückt keine Schuld. Sie haben nur
Dankbarkeit für die junge, schöne Polin, die ihr Vater
liebte und der sie ihr Leben verdanken. Und den Stiefbruder
treffen, ja, das würden sie mal gern.
Liebe fragt nicht nach Moral. Der Film schon.
Wir werden den Abglanz des privaten Glücks in der
Apokalypse suchen.
Wir werden fragen, warum der schlesische Waldarbeiter F.,
nachdem er eine respektable Karriere als Kriminalbeamter
hingelegt hat, es eines Tages für seine Pflicht hielt, in
Polen zum Massenmörder zu werden. Ist es in Zeiten des
Hasses legitim zu lieben? Die nationale Katastrophe und
persönliche Tragödie bescheren Ursula B. das Glück ihres
Lebens. Er auf dem Weg nach oben und damit geradewegs in
den Untergang, sie, im freien Fall begriffen, nach jedem
Strohhalm greifend. Was für ein seltsames Paar, denken wir.
Vielleicht aber auch bloss aus unserer Perspektive. Hat man
nicht sein Leben zu leben? Egal zu welcher Zeit, an welchem
Ort? Warum kennen wir nur so wenige Ikonen des Widerstands,
wieso sind Helden eine so singuläre Erscheinung?
Dem historischen Weg der Einsatzgruppe 1 durch Polen
folgend, werden wir uns fragen, wieso man heute, mitten in
Europa, seiner Herkunft wegen Todesängste auszustehen hat.
Der Sohn fürchtet, einmal als Besatzerkind erkannt, um sein
Leben. Wenn dem so ist, was wird denn stellvertretend in
seiner Person so sehr gehasst? Nazideutschland, das
vergangen ist? Der wohlhabende und einflussreiche Nachbar
heute? Oder etwa die Angst vor dem Eingeständnis eigener
Schwäche?