Stalins
Sohn Jakow Josowitsch Dshugaschwili steht im Mittelpunkt
dieses Dokumentarfilms. Die kurze Biografie des Jakob
Dshugaschwili ist exemplarisch für das Schicksal eines
Menschen, der Spielball und schließlich Opfer des
Interessenkonfliktes der beiden mächtigsten totalitären
Systeme der damaligen Zeit - Hitlerdeutschlands und des
bolschewistischen Rußlands - wurde. Ein Film und zwei
Regisseure? Wissarion Dshugaschwili, 1965 in Georgien
geboren und Absolvent der Moskauer Höheren Regie- und
Drehbuchkurse, ist ein Enkel Jakobs. Er lebt in Tbilisi,
der Hauptstadt des unabhängigen Georgiens, das heute mit
vielfältigen politischen und sozialen Problemen zu kämpfen
hat. Wissarion Dshugaschwili ist verwurzelt in georgischen
Traditionen. Er sucht den persönlichen Zugang zu seinem
Großvater Jakob, will ihm ein filmisches Denkmal setzen und
auf diese Art seine eigene Auseinandersetzung mit der
problematischen Familiengeschichte vorantreiben. Erik Tesch
wurde 1966 in Dresden geboren und ist Absolvent der
Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam Babelsberg. Als
Deutscher, sozialisiert im poststalinistischen Ostblock,
hat er einen eigenen Blick in die jüngere Geschichte, deren
Auswirkungen nicht nur in der ehemaligen Sowjetunion zu
spüren sind. Der Film ist keine historische Dokumentation,
sondern eine gegenwärtige Spurensuche zweier junger
Regisseure mit gemeinsamer Geschichte und unterschiedlicher
kultureller Prägung. Jakow Dshugaschwili (1908-43) ist
Stalins ältester Sohn aus dessen erster Ehe mit Ekaterina
Swanidse. Die Mutter stirbt kurz nach der Niederkunft, der
Vater widmet sich seiner revolutionärer Tätigkeit, so daß
Jakow in der Abgeschiedenheit eines georgischen Bergdorfs
bei den Großeltern aufwächst. Erst 1921, kurz nach der
Annexion Georgiens durch die Bolschewisten, holt Stalin den
Sohn nach Moskau. Jakow, bisher in der christlich
georgischen Tradition erzogen, findet sich im Zentrum der
Macht des Sowjetischen Imperiums wieder und sieht sich mit
einem gänzlich anderen Wertesystem konfrontiert. Die
erhoffte Anerkennung beim Vater bleibt ihm zeitlebens
versagt. Nach einem mißglückten Selbstmordversuch sucht er
sein Heil im familiären Glück. Mit drei Frauen hat Jakow
jeweils ein Kind und doch kommt er nicht zur Ruhe. Anfang
der 30er Jahre, studiert er in Moskau auf Wunsch Stalins,
an einer Militärakademie und geht am 22. Juni 1941 mit 33
Jahren an die Front. Kurz darauf gerät Jakow Dshugaschwili
bei Smolensk in deutsche Gefangenschaft. Nach Bekanntwerden
seiner Identität, wird er zunächst mehr als Gast, denn als
Gefangener behandelt. Doch die Versuche der Deutschen,
Stalins Sohn in ihre Propagandamaschinerie einzubinden,
scheitern. Stalin weigert sich kategorisch, den Sohn
auszutauschen. Nach Bekanntwerden von Stalins
Durchhaltebefehls "Hitler hat keine sowjetischen
Kriegsgefangenen, es gibt nur Verräter, mit denen wir
fertig werden, sobald der Krieg beendet ist." nimmt sich
sein verzweifelter Sohn im KZ Sachsenhausen das Leben. Der
Film basiert auf einer sorgfältigen Recherche deutscher und
russischer Quellen. Historisches Filmmaterial und zum Teil
bisher unveröffentlichte Fotografien werden mit aktuellen
Filmaufnahmen kombiniert. Seinen besonderen Reiz bezieht
die deutsch-georgische Gemeinschaftsproduktion aus den
unterschiedlichen Intentionen der beiden Regisseure, die
einen subjektiven Blick auf ein wesentliches Kapitel
deutsch – russischer Geschichte ermöglichen.